MISSIONSIX – ACCOMPLISHED

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„Zu allererst möchte ich jedoch nochmal Danke sagen. Danke an jeden, der mich in den letzten Wochen, Monaten unterstützt hat und in der Zeit an mich geglaubt hat in der ich es selbst nicht so getan habe wie sonst. Es ist bitter, dass es am Ende nicht so gelaufen ist, wie ich mir das gewünscht habe.“

Die Textpassage mit der ich diesen, für mich definitiv besonderen Blog heute beginne, ist ein Abschnitt aus meinem Blog von vor einem Jahr. Man könnte diese Textpassage eigentlich 1:1 so übernehmen und einfach den letzten Satz abändern.

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie locker und gelöst ich diese Zeilen heute schreibe und wie stolz ich auf das bin, was nicht ich alleine, sondern WIR gemeinsam als Team geschafft haben.

Ich meine ja, fünfmal – und das am Stück – habe ich die Deutsche Meisterschaft im Cross-Triathlon schon gewonnen, aber ich habe keinen Erfolg so erlebt wie diesen Sechsten, für den ich wirklich hart arbeiten musste.

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Ich will jetzt auch nicht wieder damit anfangen, dass aufzugreifen, was in den letzten Jahren eher nicht so gut gelaufen ist. Die Pandemie (ist hoffentlich Geschichte), meine Verletzungen sind auch Geschichte und die fehlenden Routinen und Abläufe sind wieder voll im Lot.

Es ist eher das, was ich aus dieser Zeit mitgenommen und gelernt habe.

Dankbar zu sein für das, was man hat und dankbar zu sein für die, die man um sich hat und die einen so nehmen wie man ist.

Ich weiß nicht ob dieser WIR Gedanke ohne diese letzten zweieinhalb Jahre so entstanden wäre, wie er es jetzt und heute ist. Ich meine wer kann schon von sich sagen, dass er ein Team hat, das hinter ihm steht, was nicht einfach nur ein Team ist, sondern wirklich auch richtig gute Freunde. Danke!

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Zudem fühlt es sich für mich mittlerweile auch jedes Mal, wenn ich nach Zittau fahre so an, als würde ich nach Hause kommen. Es ist nicht mehr einfach nur der Ort, an dem der XTERRA Germany, also das deutsche Rennen der Europaserie im Crosstriathlon ausgetragen wird, es ist irgendwie auch ein Stück zuhause geworden.

Egal ob das jetzt der Kaffee morgens nach dem Aufstehen, (sorry, korrigiere) der „Espresso mit Mahlgrad im unteren Drittel der Maschine“ ist, oder der Kuchen am Anreisetag, mit dem die Oma schon im Garten auf uns wartet um uns dann, im vierten Jahr in Folge, zu erklären, dass die Eierschecke eine sächsische Kuchen-Spezialität ist. Alleine diese Dinge sind einfach unbezahlbar!

Aber über eins müssen wir auf jeden Fall noch reden, die Party. Normalerweise sind Leistungssport und Party ja relativ schwer miteinander zu kombinieren und verbinden. Das ist allerdings ein Punkt den in Zittau scheinbar noch keiner gehört und dass, das ist auch gut so 😉

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Danke O-See-Challenge, danke XTERRA Germany. Ich hätte mir am vergangenen Samstag wirklich keinen besseren Ort und keine coolere Truppe für die Party nach dem Rennen vorstellen können. Übrigens sehen das fast alle meiner internationalen Konkurrenten genauso und für viele ist die After-Race-Party, das Event neben dem Sport auf das sie sich das gesamte Jahr am meisten freuen.

Wir sehen uns am 19.August 2023 an gleicher Stelle am selben Ort.

Ein paar Worte zum Rennen möchte ich dann aber auch noch verlieren. Es war definitiv eines der knappsten Rennen, welche ich in meiner bisherigen Laufbahn bis heute erlebt habe.

Das wir als Profi-Athleten nun im Vorfeld eines großen XTERRA Events auch noch im XTERRA Short Track an den Start gehen müssen, ist zwar cool und für die Zuschauer vor Ort und an den Fernsehgeräten zuhause sicher richtig nice anzusehen, aber bürgt für uns Athleten auch immer ein gewisses Risiko, den Schritt zu viel zu gehen und zu viel zu riskieren.

Da mich die beiden Italiener, aber vor allem Michale Bonacina, freitags im Short Track bei Schwimmen dann doch mit sieben Sekunden deutlich hinter sich gelassen hat, wollte ich samstags schon von Beginn an ganz klar zeigen, wer hier heute der schnellste Schwimmer ist: First out off water und das mit fast 50 Sekunden auf Bonacina. Für den XTERRA Livestream habe ich der Kamera dann als klares Statement noch den Albatros beim Wasser-Exit gegeben 😉

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Zittau ist auf seiner 36km langen Radstrecke vor allem dafür bekannt, dass man sich auf den ersten vier und den letzten vier Kilometern am besten in einer größeren Radgruppe befindet um einfach von einem Windschatteneffekt zu profitieren. Leider konnte ich dieses Szenario durch mein schnelles Schwimmen und keinen Begleiter auf den ersten Radkilometern für mich nutzen, sodass ich dann, aber auch erst, bei Kilometer 12 von einer größeren Gruppe am höchsten Punkt, dem Hochwald aufgefahren und überholt wurde.

Das es die ganze Nacht vor dem Rennen durchgeregnet hatte machte zumindest auf der Radstrecke keinen großen Unterschied, da das Wasser wegen der langen Trockenheit einfach direkt abgelaufen ist. Kurz darauf war es mein Freund, der Däne Jens Emil Sloth Nielsen der zusammen mit einem anderen Athleten von hinten kam. Leider war deren Tempo aber auch 0,5km/h zu schnell für mich war und ich auch diese beiden Athleten fahren lassen. Im letzten Drittel hatte ich dann endlich mit dem Neuseeländer Sam Osbourne einen Mitstreiter gefunden, mit dem es wunderbar harmoniert hat. Den Weg zurück zum Olbersdorfer See bestritten wir allerdings nicht alleine. Auf einmal waren wir zu dritt. Es war Malte Plappert, der unglaublich gut Rad gefahren sein musste und seinen Titel, wie er es auf der Pressekonferenz schon betont hatte auf jeden Fall verteidigen wollte.

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Mittlerweile war es in Strömen am Regnen und genau in diese Konstellation erreichten wir auch die Wechselzone. Mir war klar, „Jens jetzt musst du laufen“ und das nicht in dem Sinne, dass wir jetzt bei der letzten Disziplin im Triathlon angekommen sind. Ich folgte Sam, Schritt für Schritt. Der Lauf Kurs in Zittau ist technisch eigentlich nicht so anspruchsvoll und mit seinen flachen Trail Passagen einer der schnelleren in Europa. Aber nur, wenn man auch das passende Schuhwerk am Fuß hat.  Mit diesem Regen und der Veränderung des Lauf Kurs hatte ich wahrhaftig nicht gerechnet und somit entpuppte sich meine Schuhwahl als eher nicht so berauschend. Nach einer von zwei Laufrunden bekam ich die Info, das Malte wohl durch eine Verletzung das Rennen vorzeitig beenden musste und dass der Titel nun nur noch, zwischen dem Newcomer Scott Anderson und mir entschieden würde.

80 Sekunden Vorsprung bei noch 4,2 zu laufenden Kilometern.

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Nachdem ich weitere fünf Male, durch null Gripp an meinen Füßen auf der Schnauze gelegen habe und ich 200 m vor dem Ziel nur noch knappe 150 m Vorsprung auf Scott hatte, war ich mir sicher, Junge wir haben das Ding 😉

An dieser Stelle nochmal beste Genesungswünsche an Malte. Leider weiß ich nicht genau was passiert ist, aber ich liebe den Sport und weiß wie es ist verletzungsbedingt nicht das umsetzen zu können was man von sich selber erwartet. Respekt und herzlichen Glückwunsch an Scott zu Platz 2. Das Rennen hätte keinen Kilometer länger sein dürfen 😉

Platz 3 ging an Simon Schwarz dem ich sein erstes nationales Podium auch von Herzen gönne.

Diese Woche lege ich erstmal die Füße ein bisschen hoch, lasse es mir gut gehen und dann freue ich mich auf meinen ersten Start seit 2015 bei der XTERRA Weltmeisterschaft und das in den Dolomiten im italienischen Südtirol.

Danke fürs Daumen drücken, mitfiebern und unterstützen.

Jens

Foto Credits: Carell du Plessis & Nils Lauterbach

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