Kein Kamikaze in Fernost

So, oder so ähnlich, hat mein Freund und Sportreporter Holger Teusch vom Trierischen Volksfreund, die Überschrift zu meinem zweiten Chinaausflug formuliert.
Bei meinem letzten Aufenthalt vor 3 Jahren mit meinem Coach und Mentor Marc Pschebizin beim Adventure-Race in Wulong, habe ich das Reich der Mitte vor allem ländlich und arm, regnerisch und nass kennengelernt. Dieses Mal sind die Eindrücke, die ich mitbringe ganz anders: groß und offen, bunt und hektisch, jedoch immer freundlich und irgendwie doch organisiert.

Natürlich freue ich mich bei meinen Reisen in der Welt immer auf mein sportliches Rennen bei dem Wettkampf an dem ich teilnehme und versuche mein Bestes zu geben.
Dieses Mal war das auch so, jedoch auch irgendwie anders. Mit Sascha, meinem Kraft-, Athletik- und Ernährungstrainer, sowie meinen Freund, Fotografen und Medienmanager Martin Kasel hatte ich dieses Mal auch 2 Freunde dabei, für die Triathlon, in Anführungszeichen, ein bisschen Neuland war. 
Für einen Triathlon 14 Flugstunden, quasi „an ein anderes Ende der Welt“, klingt für die meisten Außenstehenden immer crazy, bietet aber auch soviel Möglichkeiten neues kennenzulernen.

 

Ich möchte mich gerne nochmal bei der Stadt Trier und der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft Trier, sowie den Sponsoren unseres Projektes bedanken. Die Kontakte, die Treffen vor Ort, das Umfeld in Xiamen waren grandios und ich bin stolz, ein Teil, ja teilweise der Kopf dieses Projektes gewesen zu sein.

Ich versuche alles mal in ein paar Sätze zu packen 😉
Als wir am Freitagvormittag in unserer Partnerstadt ankamen, war ich erstmal geschockt, dass mein Fahrrad im Gegensatz zu mir noch nicht da war. Auch das ist mir zum ersten Mal in all den Jahren passiert, dass mein Rad, als Gepäckstück quasi verloren gegangen ist. Alle die mich kennen, können sich wahrscheinlich denken, wie ich auf diese Aussage des chinesischen Flughafenpersonals reagiert habe. 😉

Saschas Frau ist Chinesin und konnte die Angelegenheit relativ einfach und unkompliziert für mich regeln, zum Glück, denn mein Rad stand zu diesem Zeitpunkt noch in Peking und ich brauchte es ja in nicht einmal 24 Stunden zum Einchecken in der Wechselzone.

Gut geschlafen und vom „Jetlag“ erholt, ging es am nächsten Morgen dann mit Martin in Richtung Ironman-Village. Ein kurzer Streckencheck, ein kurzes Gespräch mit zwei anderen Deutschen und später das offizielle Einchecken der Fahrräder sowie der Laufschuhe und des Helmes folgten einen Tag vor dem Rennen. 

Natürlich gab es auch jeden Tag was leckeres, teils aber auch undeutbares zu Essen.
Die Gastfreundschaft wird bei den Chinesen besonders groß geschrieben und so hatten wir eigentlich an jedem Tag, mit „Freunden“, die auch schon in unserer Stadt, also Xiamens Partnerstadt Trier zu Besuch waren zu tun.

Selten war ich vor einem Rennen so aufgeregt wie bei diesem. Ich weiß auch nicht wann ich das letzte Mal so wenig geschlafen habe und mir so viele Gedanken durch den Kopf gegangen sind wie vor diesem Rennen.
Bei der Athletenvorstellung für das Profifeld der Herren war ich der einzige Starter ohne Neoprenanzug. Im Nachhinein natürlich dumm und auch mein Fehler, das ich pauschal davon ausgegangen bin, das es so warm wird das dieser am Renntag verboten würden werde.
Diese Nachlässigkeit entpuppte sich dann im Rennen auch als die falsche Entscheidung. Denn, aus meinem eigentlichen Plan, auf meiner Paradedisziplin mit dem schnellsten Schwimmer der diesjährigen Ironman Weltmeisterschaft auf Hawaii, Josh Amberger mitzuschwimmen wurden nach den knapp 2km zum Auftakt gleich mal knappe 2 Minuten Rückstand …
Nur Platz 10 nach dem Schwimmen, obwohl ich eigentlich dachte, dass ich das Rennen vorne mitbestimmen kann. In der Wechselzone jedoch machte ich gleich fünf Plätze gut und fand mich dann in einer 5 Köpfe großen Verfolgergruppe des Führungsduos van Riel und Amberger wieder.

Vielleicht war meine Aufregung der vergangen Nacht auch die Tatsache zurückzuführen das ich vor meinem längsten Triathlon seit mehr als 4 Jahren stehe, schließlich geht das Rennen vom jetzigen Zeitpunkt noch gute 3:30 Stunden. So wirklich spezifisch für diese Distanz trainiert habe ich jetzt auch nicht, denn das wird erst in den nächsten Jahren zu meinem Projekt werden.

Auf jeden Fall, ich hatte einen Plan die ich auf den kommenden 90 Radkilometern und den zum Abschluss folgenden 21,1 Laufkilometern verfolgen wollte. 

 

Die Jungs kennen mich nicht und ich kenne die Jungs nicht. Kann ein Vorteil sein, muss aber nicht. Ich muss schon sagen das ich ein Rennen wahrscheinlich noch nie so defensiv gestaltet habe wie dieses, denn mir war klar, dass, wenn ich den Kamikaze auspacke, ich sicherlich die Rechnung beim abschließenden Lauf dafür bezahlen würde.
Es hat eine ganze Zeit gedauert bis ich wusste, dass ich mit keinem geringeren als dem Hawaiisieger von 2009, Pete Jacobs und dessen Landsmann Tim Reed, 2016 Ironman 70.3 Weltmeister in einer Radgruppe unterwegs war. Aber das beeindruckte mich relativ wenig, denn meine Leistungsdaten passten und so fuhr ich relativ entspannt, wenn man das so sagen kann, in dieser Gruppe mit.

Den Lauf startete ich dann auf Platz 8 liegend. Auch hier: keine Experimente, einfach mein Ding, denn mittlerweile hatten wir um 11 Uhr morgens auch schon die 30 Grad-Marke geknackt. 
Nach 5 Laufkilometern hatte ich dann den Ersten schon wieder eingesammelt und auf Kilometer 7, dann den nächsten. auf einmal war ich Sechster. Wahnsinn.

Das lange laufen fühlte sich eigentlich ganz gut an. Zum Ende hin wurde es dann aber dennoch zäh. So einen richtigen Einbruch habe ich zum Glück aber nicht erlitten und bin mit meinem längsten Rennen in den vergangenen 4 Jahren ganz happy. Auf diese Leistungen kann ich auf jeden Fall aufbauen.
Kurz vor der Ziellinie musste ich dann aber doch noch 2 schnelleren Läufern diesen tollen sechsten Platz überlassen und wurde am Ende schließlich immer noch guter Achter. 

Für Martin und Sascha lief in indes nicht so rosig … Ihre Schwimmerin, eine Chinesin, die im Rahmen der Partnerschaftsstaffel Trier – Xiamen den schwimmerischen Part übernahm, schaffte es im ost-chinesischen Meer nicht im Timecut-Off zu bleiben. Martin durfte dennoch die 90 km lange Radstrecke in Angriff nehmen. Er übergab das Staffelholz nach einer für ihn sensationellen Leistung nach 2:36 Stunden an den Läufer Sascha. Sascha bewältigte den Halbmarathon unter der mittlerweile echt brutalen Mittagssonne in Xiamen dann in 2:04 Stunden.

Der Montag nach dem Rennen stand im absoluten Sightseeing Modus. Mit dem Nanputuo Temple, besuchten wir einen der wichtigsten chinesischen Tempel im Osten Chinas. 
Dienstags gab es dann ein offizielles Treffen mit der Sportministerin Xiamens Chang Chen und dem Sports Manger, der für alle wichtigen Großereignisse in der 4-Millionen-Einwohner-Stadt zuständig ist. 


Mit Sara, hatten wir für dieses offizielle Treffen auch unsere persönliche Übersetzerin mit dabei. 
Ein Lächeln verrät ja bekanntlich mehr als tausend Worte und so war ich mir schnell sicher, dass Frau Chen viel mehr verstand als die Dolmetscherin übersetzen konnte 😉 

Am gleichen Tag durften wir dann noch die Universität von Xiamen besuchen.
Diesen Termin hat uns Frau Limbacher, die uns bei der Reise wirklich vom ersten Tag der Planungen im April, bis heute wo ich diese Zeilen verfasse, unglaublich unterstützt hat, organisiert.
Die Uni in Xiamen ist eine der renommiertesten Universitäten in China und bietet unglaublich viele Möglichkeiten.
Eine chinesische Germanistik Studentin, deren chinesischen Namen ich nicht aussprechen kann, die sich für uns Europäer jedoch Sally nennt hat uns über das riesige Gelände der Uni begleitet. 
Da sie schon mehrmals in Deutschland war, war auch dieses Treffen sehr kurzweilig und lustig und wir haben auch hier nochmal viel von der chinesischen Kultur kennengelernt. 

Der letzte Tag stand dann, wie das quasi immer ist im Zeichen von Koffer packen und noch einmal die Stadt, sowie die Wärme genießen.
Auch wenn ich durch die chinesische Regierung und das blockieren, der für uns täglichen Apps wie WhatsApp, Facebook und Co. quasi von der Außenwelt angeschnitten war, habe ich mitbekommen das es in Deutschland mittlerweile wohl kalt sein soll.

Ich freue mich auf das was noch kommt und dem ein oder anderen persönlich von meinen Eindrücken und dem was ich erleben durfte berichten zu können. 😉

Jens  

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